Renate Künast, eine simple Frage und der Shitstorm danach...

Als Renate Künast nach dem Axtangriff in einem Regionalzug in Würzburg, bei dem der Täter von der Polizei erschossen wurde, eine simple Frage stellte, erntete sie dafür einen Shitstorm. Doch wird das dieser Frage wirklich gerecht?

Hier der Wortlaut ihres Twitterposts:"Tragisch und wir hoffen für die Verletzten. Wieso konnte der Angreifer nicht angriffsunfähig geschossen werden???? Fragen! #Würzburg @SZ"

Inhaltlich habe ich an dieser wertfreien Frage nichts auszusetzen, mir hätte allerdings auch ein Fragezeichen gereicht um die Frage zu verstehen. Der Getötete war gerade einmal 17 Jahre alt, ist da so eine Frage nicht legitim und ist sie das nicht sowieso immer, wenn ein Mensch getötet wird?

Also ich verstehe diesen Hype nicht. Wer von uns war dabei? Da wurde nun bei einem Polizeieinsatz jemand erschossen, der seinerseits selbst mit einer Axt bewaffnet war. Wenn man nun Schusswaffe gegen Axt abwägt, kommt dabei keine Waffengleichheit heraus. Also ist die Frage doch durchaus berechtigt.

Was nur auffällt, ist was, im Laufe der Diskussion, in diese simple Frage, von Frau Künast, hineininterpretiert wurde. Sie hat lediglich danach gefragt, ob das wirklich die einzige Möglichkeit gewesen ist, dem Angreifer endgültig das Licht auszublasen.

Am Ende weiß das sicher nur der Polizist, der abgedrückt hat und der sich selbst diese Frage sicherlich nun auch ständig stellt, wenn es kein seelenloser Holzklotz ist, sondern ein Polizist, der eigentlich den Beruf gewählt hat, um zu helfen und für die Allgemeinheit da zu sein.

Renate Künast hat lediglich gefragt und nichts behauptet und noch weniger irgendeinen zum Schuldigen erklärt. Doch das das hier ermittelt und aufgearbeitet wird, ist selbstverständlich notwendig, genauso wie diese Frage notwendig ist. Nicht um hier zwingend etwas aufzuklären, sondern um ihn ähnlichen Fällen vielleicht auch besser reagieren zu können.

Keine noch so gute Untersuchung macht nun den Toten wieder lebendig. Doch am Ende ist er mit seiner Tat dieses Risiko selbst eingegangen und damit liegt die Hauptschuld in jedem Fall sowieso bei dem Getöteten selbst. Völlig egal, ob der Todesschuss nun hätte auch vermieden können, oder eben nicht. Auch ein Polizist ist ein Mensch und wenn überhaupt, geht es hier um eine Tötung im Affekt. Daran hat der Polizist niemals wirklich eine Schuld, der die Waffe führte, um den Angreifer abzuwehren. Im Gegenteil sehe ich nun das Problem, das dieser Vorfall dem Polizisten schwer an die Substanz gehen wird. Hier ist also in jedem Fall psychologisch zu begleiten, damit der Polizist nicht zum Opfer durch sein Trauma wird.

Ansonsten lasst bitte diese schäbige Diskussion. Der Hergang wird sicherlich genauestens ermittelt, da ein Mensch zu Tode gekommen ist. Für jede weitere Diskussion ist Zeit, wenn die Ergebnisse vorliegen. Das die Frage jedoch, völlig wertfrei, im Raum steht, ist völlig in Ordnung und für mich lediglich ein Beweis dafür, das unser Werte- und Rechtssystem noch funktioniert. Denn nur wenn sich die Staatsgewalt immer wieder hinterfragt, dann bleibt sie auch auf dem richtigen Weg. Völlig unabhängig davon, ob dem Polizisten nun ein Vorwurf zu machen ist, oder nicht. Wenn ihm ein Vorwurf zu machen ist, wird er sowieso selbst der Anführer derjenigen sein. Und kein Urteil fällt so hart aus, wie im Extremfall das Urteil gegen sich selbst.

22.7.16 17:37

Letzte Einträge: Von der KVB und einer dazu stets wiederkehrenden Beschwerde...., Ist Nationalismus heute noch hilfreich?

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Flo Ko (23.7.16 02:00)
Außerdem wird nun nicht mehr möglich sein zu erfahren, wie so jemand in so kurzer Zeit zu einem radikalen Terroristen hat werden können. Um künftige Attentate zu verhindern ist es jetzt natürlich unvorteilhaft, das man den Täter nicht mehr befragen kann.
Ein toter Terrorist kann halt keine Angaben über Hintermänner und Organisationsstrukturen machen und genau das macht es jetzt nämlich den Ermittlungsbehörden fast unmöglich Erkenntnisse zu gewinnen, um künftige Anschlagspläne rechtzeitig zu erkennen und eine Tatausführung zu verhindern. So zumindest der leitende Ermittlungsbeamte der zuständigen Behörde, in der PK der Polizei Bayern. Und ich kann den Beamten da gut verstehen!

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen